So installierst du ein Monitoringsystem in deinem Team

_DSC6525

Wenn du endlich einen Daumen auf optimales Regenerationsmanagement in deinem Team legen willst, dann musst du mit einem strukturierten Monitoringprozess beginnen.

Wichtig dabei ist, dass du in kleinen Schritten beginnst und nicht zuviel auf einmal machst.

Fange mit einer wöchentlichen Analyse des gesamten Teams an. Wenn du das 6-12 Monate gut umsetzen konntest, dann steigere es auf eine wöchentliche Analyse für einzelne Spieler. Wenn du das ebenfalls 6-12 Monate umsetzen konntest, kannst du zu einer täglichen Analyse jedes einzelnen Spielers übergehen. Das ist die Profivariante. Selbst wenn du nur ein wöchentliches Freshness- monitoring für das gesamte Team betreibst, bist du anderen Teams weite Schritte vorraus!

Den Monitoringprozess lässt du in drei Schritten ablaufen. Im ersten Schritt erfasst du welchen Belastungen der Athlet unterliegt (INPUT), dann erfasst du wie der Athlet darauf reagiert (OUTPUT) und im letzten Schritt leitest du daraus die Trainingssteuerung ab, und entwickelst daraus deine folgende Trainingswoche um punktgenau Leistung abrufen zu können.

1 Datenpooling: Belastung (INPUT)
Wähle aus, welche Informationen du über die Stressbelastungen der Spieler erfasst. Starte mit einfachen Daten, die sich einfach und regelmässig erfassen lassen.

+ Gesamttrainingsdauer/Woche
+ Gesamtspieldauer/Woche
+ Intensität der Trainingswoche (1-5 Punkte)

Ein guter evidenzbasierter Belastungswert, der sich für ein tägliches Monitoring eignet, ist der sRPE. Das ist ein subjektiver Belastungswert von 1-10, den der Spieler 30 Minuten nach der Einheit abgeben muss. Dieser korreliert eng mit objektiven Belastungsparametern wie Herzfrequenz oder Laktatbelastung.

Wenn du den sRPE mit der Trainingszeit multiplizierst, hast du einen Gesamtbelastungswert, der in der Sportwissenschaft in „Arbitrary Units (AU)“ angegeben wird.

Beispiel : 76 Minuten bei einem sRPE von 6 ist ein Belastungswert von 456 AU.

Es macht Sinn, auch Belastungen der Spieler zu erfassen, die nicht direkt mit der Sportart zu tun haben. Der Bundesstützpunkt Badminton nutzt dafür einen akademischen Index. Die Spieler geben mit einem Punktesystem von 1-10 an, wie intensiv die schulische Belastung gerade ist. In der Prüfungsphase reduzieren die Badmintontrainer daher die Trainingsbelastungen, um die Leistung der Spieler oben zu halten.

Auf Kadermaßnahmen der deutschen Eishockeynationalmannschaft erfassen wir subjektive Werte wie sRPE Scores, und objektive Werte wie biomechanische Belastungen über ein Monitoring mit dem Catapult Sports GPS System, und metabolische Belastungen mit dem FirstBeat Herzfrequenzmonitoring System.

_DSC6499

2 Datenpooling: Freshness (OUTPUT) 

Auf der anderen Seite ist es wichtig zu wissen, zu welcher Erschöpfung die Belastung der Vortrage geführt hat. Nur so kannst du Trainingskonsequenzen ableiten. Hierbei erfasst du wöchentlich oder täglich Informationen zu der zentralen und peripheren Erschöpfung deiner Athleten. Als simpelste Variante, beginne deine Spieler mit einem einfachen 1-5 Punktesystem zu fragen, wie sie sich fühlen.

+ mentale Erschöpfung 1-5 Punkte
+ körperliche Erschöpfung 1-5 Punkte

+ Muskelkater 1-5 Punkte

FatigueLogos

Wir haben das anfangs so gelöst, dass wir einfache Visitenkarten gedruckt haben, auf denen die Spieler von 1-5 anreißen konnten, wie hoch ihre mentale und körperliche Erschöpfung ist. Etwas fortgeschrittener sind dann Messmethoden wie HRV, Sprungkraft oder Griffkraft. Dies solltest du aber auch nur machen, wenn du eine individuelle Auswertung erstellst und dein Monitoringsystem auch ohne Technologie schon gut ins Rollen gekommen ist.

3 Datenanalyse
Jetzt machst du nichts anderes als alle Werte aus beiden Kategorien gegeneinander aufzutragen, um damit im Saisonverlauf immer bessere Entscheidungen treffen zu können.

Erkenntnisse aus einem regelmäßigen Monitoring können sein, dass Spieler immer in der Woche nach einem verlorenen Spiel mental erschöpfter sind, als nach gewonnenen Spielen. Man findet vielleicht heraus, dass bei Durchschnittsintensitäten in der Trainingswoche von über 3, die Spieler in der Folgewoche immer verlieren (oder gewinnen) werden. Man findet vielleicht heraus, dass sich Verletzungen anhäufen, wenn die durchschnittliche körperliche Erschöpfung einen kritischen Wert von 3 für länger als 2 Wochen beibehält. Vielleicht findet man aber auch heraus, dass man als Spieler immer dann optimal vorbereitet ist, wenn die Gesamtbelastung der Trainingswoche exakt 160% der Belastung des Spieltages entspricht. Das ist beispielsweise eine Erkenntnis, die der FC Chelsea aus seinem Monitoringsystem ziehen konnte.

Wir können in unserer Arbeit damit die Trainingsdosis für Spieler individualisieren. Die Frage nach der optimalen Trainingsdosis ist damit nicht mehr nur ein „den Daumen in den Wind halten“, sondern wird zu einem greifbaren Prozess.

Je länger ein Monitoringsystem in deinem Verein oder deiner Organisation aktiv ist, desto effektiver wird es und desto mehr Erkenntnisse kannst du über die optimale Trainingsdosis gewinnen.

Im Rahmen der Nationalmannschaftsmaßnahmen konnten wir entscheidende Erkenntnisse über die Zusammenhänge von ausreichender Flüssigkeitsaufnahme nach dem Spiel und der Explosivkraft am Folgetag ziehen. Wenn die Spieler am Morgen nach dem Spiel 1-2% weniger gewogen haben, dann ist ihre Sprungkraft an diesem Morgen auch 5-10% schlechter als sonst gewesen. Erstmal denkt man er müsste höher springen, weil er ja weniger wiegt, aber der leistungshemmende Effekt der Dehydrierung ist viel stärker. Diese Erkenntnisse sind für uns als Trainer nicht neu, aber für den Spieler ein entscheidender Moment, in dem er sofort den Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und seiner Leistung sieht. Das wäre durch Worte nicht zu ersetzen.

Ähnliche Beiträge

Antworten


Facebook

Twitter

YouTube